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Solidarische Ökonomie

Solidarökonomische Projekte sind meist unabhängig vom Staat und von privatwirtschaftlichen Unternehmen. Sie basieren auf Selbstorganisation und ökonomischer Selbsthilfe der Mitglieder. Fundament ist die Solidarität der Mitarbeiter_innen untereinander, aber auch gegenüber der Gesellschaft. So fallen darunter beispielsweise Genossenschaften und Kooperativen, Unternehmen mit solidarischen und demokratischen Strukturen, selbstverwaltete Betriebe, Verbraucher_innen-Gemeinschaften,  Schulen und Kindergärten, Nachbarschaftshilfe und Tauschringe, Formen freier Software, Umsonstläden und Ansätze des Fairen Handels. Der Begriff Solidarische Ökonomie (SÖ) bezeichnet Formen des Wirtschaftens, in denen die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse im Mittelpunkt steht und damit dem Streben nach individuellem Profit übergeordnet ist.

Im Mittelpunkt steht damit immer der Mensch, nicht das Kapital. Solidarisches Wirtschaften basiert auf freiwilliger Kooperation, gegenseitiger Hilfe und demokratischen und partizipativen Entscheidungsstrukturen. Dabei sind solidarökonomische Projekte weitestgehend unabhängig vom Staat und auch von privatwirtschaftlichen Unternehmen und basieren auf Selbstorganisation und ökonomischer Selbsthilfe der Mitglieder. Die Solidarität der Mitarbeiter_innen untereinander, aber auch gegenüber der Gesellschaft, bildet das Fundament einer Solidarischen Ökonomie. Dabei bezeichnet der Begriff Solidarische Ökonomie nicht eine festgelegte und allgemein akzeptierte Form des Wirtschaftens.

Eines der wichtigen Kennzeichen ist die große Vielfalt von Ansätzen, die zu einer solidarischen und demokratischen Form der Wirtschaft beitragen. So können darunter beispielsweise Genossenschaften und Kooperativen, Unternehmen mit solidarischen und demokratischen Strukturen, selbstverwaltete Betriebe, Erzeuger_innen-Verbraucher_innen-Gemeinschaften (z.B. Food-Coops oder community supported agriculture), Formen solidarischen Wohnens, selbstverwaltete Schulen und Kindergärten, Nachbarschaftshilfe und Tauschringe, Formen freier Software, Umsonstläden und Ansätze des Fairen Handels zusammengefasst werden.

Alternativ Text für Bild

Erstes Arbeitsgruppentreffen auf dem Karlshof in der Uckermark

Solidarische Ökonomie im Süden und Norden

Projekte der SÖ können dabei an humanistischen Werten und Idealen orientiert sein, entstehen aber gerade in den Ländern des Südens oft aus der Notwenigkeit heraus, neue Möglichkeiten zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse zu finden. Besonders in Ländern Lateinamerikas, aber auch in Asien und Afrika gibt es bereits zahlreiche Beispielprojekte, in denen solidarisches Wirtschaften praktiziert wird. Gerade in Deutschland können wir von dieser Expertise lernen. Die SÖ bietet ein breites Feld für das Globale Lernen und ein Lernen vom „Süden“.

In dem Wissen, dass trotz dieser Darstellung die Idee einer Solidarischen Ökonomie vielleicht immer noch abstrakt bleibt, stellen wir im Folgenden zwei Beispiele für Projekte zur SÖ im Süden und im Norden vor:

CECOSESOLA / Venezuela [ein regionaler Kooperativen-Verbund mit ökonomischem Gewicht]
Cecosesola (Central Cooperativa de Servicios Sociales Lara) wurde 1967 als Dachkooperative mehrerer Landkooperativen aus dem Bundesstaat Lara und einiger Stadtteilgruppen aus der Großstadt Barquisimeto gegründet. Heute umfasst Cecosesola 85 basisdemokratische Kooperativen und Vereine, in denen über 1000 Menschen beschäftigt sind und die Waren und Dienstleistungen für zehntausende von Menschen in der Region bereitstellen. Zu den Aktivitäten gehören die folgenden Bereiche:

  • Lebensmittelmärkte:Jedes Wochenende werden vier große Märkte organisiert, die von 30 lokalen Kooperativen versorgt werden und auf denen sich 50.000 Familien regelmäßig mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln versorgen.
  • Genossenschaftliches Bestattungsunternehmen: Cecosesola hat das größte Bestattungsunternehmen in der westlichen Zentralregion Venezuelas. Über 17.000 Familien sind Mitglieder der angebotenen Sterbegeldversicherung. Für einen erschwinglichen wöchentlichen Beitrag erhalten sie die Möglichkeit, verstorbene Angehörige in einem würdigen Rahmen zu beerdigen.
  • Eine eigene Schule: Die Schule der Kooperative ist gleichzeitig ein Ort des Austauschs und der Reflektion über den persönlichen und organisationsbezogenen Wandlungsprozess hin zu solidarischem Handeln. Eine Video-Gruppe hat schon mehr als 150 Filme über die gemeinsamen Erfahrungen produziert. Über die Schule werden zudem die nationalen und internationalen Beziehungen koordiniert.
  • Gesundheit für alle: Der Gesundheitsbereich bietet Sprechstunden in Allgemeinmedizin sowie in 14 Spezialgebieten für Mitglieder und die allgemeine Bevölkerung Barquisimetos. Ein solidarischer Gesundheitsfonds deckt alle Behandlungskosten, die die Zahlungsfähigkeiten Einzelner übersteigen.
  • Kredite für Haushaltsgeräte und Möbel: 22 lokale Basisgruppen organisieren den Verkauf von elektrischen Haushaltsgeräten und Möbeln zu günstigen, von der Kooperative vergebenen Krediten. Das stimuliert das Sparverhalten und sorgt bei den Spar- und Kreditkooperativen für Dynamik.
  • Übergreifender Solidarfonds: Der Solidarfonds dient der Kreditvergabe zur Teilfinanzierung von Entwicklungsprojekten der beteiligten Kooperativen. Die Beitragsleistungen entsprechen den finanziellen Möglichkeiten jeder Einzelorganisation. Der Fonds enthält derzeit über 400 Millionen Bolivares (ca. 200.000 US $).

Bei Cecosesola werden Entscheidungen im Konsens gefällt. Alle Mitglieder können jederzeit gleichberechtigt überall mitwirken. Neben Versammlungen in den sechs Arbeitsbereichen und ausgiebigen wöchentlichen Auswertungs- und Koordinationstreffen gibt es alle drei Monate eine Vollversammlung.
Cecosesola pflegt Kontakte mit Basisorganisationen aus Bolivien, Peru, Brasilien, Kolumbien, Kuba, Nicaragua, Spanien, Frankreich, Guatemala, Ägypten und Deutschland. Das Beispiel von Cecosesola zeigt, dass Solidarische Ökonomie nicht nur im Kleinen in einer Nische funktioniert, sondern solidarische Strukturen auch für zehntausende von Menschen und zwar zu konkurenzfähigen Bedingungen bereitstellen kann.
Quelle: www.solidarische-oekonomie.de/index.php

BUSCHBERGHOF / Deutschland [Community Supported Agriculture]
Der Buschberghof liegt ca. 40 km östlich von Hamburg. Der Hof (ca. 100 ha) wird seit 1954 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Seit 1986 wird die Idee einer Wirtschaftsgemeinschaft nach dem Modell "Community Supported Agriculture (CSA)" umgesetzt. Die Grundidee von CSA ist die enge und direkte Zusammenarbeit zwischen ErzeugerInnen und VerbraucherInnen: Ein Hof versorgt sein Umfeld mit Lebensmitteln, während das Umfeld dem Hof die nötigen (Finanz-)Mittel zur Verfügung stellt, um wirtschaften zu können. Dabei werden die Verantwortlichkeiten und Risiken gemeinschaftlich getragen. Auf dem Buschberghof geschieht das folgendermaßen:

  • Landwirtschaft ohne ökonomischen Zwang: Die Produktion und die Existenz des Betriebes sind durch Vorfinanzierung (von den Mitgliedern) gesichert. Die Produkte werden nicht mehr verkauft, sondern können verschenkt oder verteilt werden. Es gibt hier also keine direkte Beziehung mehr zwischen dem Geld und den Produkten. Die wirtschaftliche Sicherung der Landwirtschaft in gemeinschaftlicher Aufgabe schafft die Freiheit nach nachhaltigen Maßstäben zu produzieren.
  • Finanzierung der Landwirtschaft: Die Mitglieder der Wirtschaftsgemeinschaft arbeiten auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens zusammen. Sie legen zu Beginn eines Wirtschaftsjahres gemeinsam ihre finanziellen Beiträge zur Deckung der Betriebskosten fest und versuchen, die soziale Situation des Hofes und der übrigen Mitglieder gegenseitig zu berücksichtigen. Mit seiner Wirtschaftsfläche ist der Hof in der Lage rund 100 Familien oder 350 Menschen zu versorgen.
  • Gemeinschaftliches Handeln: Die Mitglieder organisieren den Wirtschaftsprozess selbständig und verteilen die Produkte untereinander nach ihrem Bedarf.
Engagement Global gGmbH