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Weißsein

Der folgende Text wurde von einigen weißen Ehrenamtlichen erstellt. Es ist ein Versuch, einen kurzen Einblick in die Thematik um Weißsein und die Kritischer Weißseinsforschung zu geben. Wir wollen Anregungen sowohl  zur persönlichen Reflexion als auch zur aktiven Auseinandersetzung schaffen. Der Text beruht auf Publikationen von Wissenschaftler_innen und Autor_innen der kritischen Weißseinsforschung und der kritischen Rassismusforschung. Im Anschluss des Textes wird auf eben diese verwiesen. Wir sind für Anregungen und Verbesserungs-vorschläge offen und dankbar.

Was ist mit Weißsein gemeint?

Mit Weißsein ist keine Farbe oder optische Beschreibung gemeint, sondern eine gesellschaftspolitische Kategorie.  Weißsein ist ein Konzept, ein Ansatz aus der kritischen Rassismusforschung, der den Blick weniger auf diejenigen richtet, die Rassismus erfahren, als vielmehr auf  gesellschaftliche Strukturen und auf diejenigen, die davon profitieren (siehe unten: Ausschnitt aus dem Privilegien-Test für weiße von Peggy McIntosh).

Schwarz und weiß – sind das nicht längst überholte Kategorien?

Mit dem Konzept Weißsein wird eine analytische Trennung in Schwarz und weiß vorgenommen. Dies ruft oft die empörte Frage hervor, ob diese Einteilung nicht ein geschichtlich überholtes rassistisches Konzept sei. Zwar ist das „Rassenkonzept“ schon lange widerlegt, Rassismus aber ist damit leider nicht überwunden.  Schwarze und People of Color (PoC) begegnen in Deutschland tagtäglich rassistischen Zuschreibungen, die über Jahrhunderte, insbesondere seit der Zeit des Kolonialismus, erzeugt und reproduziert wurden.

Ziel der Thematisierung von Weißsein ist es, jene Strukturen des Rassismus sichtbar zu machen, die Ungleichheit hervorbringen und festschreiben. Erst durch die Sichtbarmachung und Benennung von Weißsein können die damit einhergehenden Machtstrukturen verändert werden– eine Nichtbenennung macht sie noch mächtiger.

Bei der Verwendung von Kategorien wie Schwarz und weiß läuft man dennoch Gefahr, in diesen Kategorien verhaftet zu bleiben, obwohl sie im Grunde auf den Müllhaufen der Geschichte gehören.  Doch um deren fortbestehende Macht aufzuzeigen, ist es notwendig, auf die Kategorien Bezug zu nehmen.  Die Hoffnung ist, dass wir eines Tages tatsächlich nicht mehr Schwarz und weiß unterscheiden können.

Was sind weiße Privilegien?

Weiße Privilegien sind strukturelle Vorteile, die ein Mensch durch Weißsein erhält.

Wenn weiße ihr Weißsein als unbedeutend beschreiben, könnte man davon ausgehen, dass weiße heutzutage keine Privilegien mehr haben. Heißt das heutige Nicht-Benennen von Weißsein, dass Weißsein in Deutschland keine Bedeutung hat?

Privilegien, die weiße genießen, werden von weißen oft als Normalität und Selbstverständlichkeit angesehen. Weißsein ist unsichtbar, weiße bemerken es nicht einmal. Weißsein hat jedoch weiterhin eine reale und symbolische Wirkkraft. Weißsein problematisiert Nicht-Weißsein.

Das zeigt der Privilegien-Test für weiße:

(vgl. Peggy McIntosh 1990: White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack)

- Wenn ich mich um einen Job bewerbe, denke ich nicht darüber nach, ob mein Weißsein für die Auswahl eine Rolle spielt.

- Als Kind wurde ich nicht mit Lebensmitteln verglichen.

- Ich kann ein teures Auto fahren, ohne dass ich für kriminell gehalten werde.

- Ich kann einkaufen gehen, ohne dass mir ein_e Kaufhausdetektiv_in misstrauisch folgt.

- Ich kann davon ausgehen, dass meine Stimme in einer Gruppe ernst genommen wird, in der ich die einzige weiße Person bin.

- Bei Wochenendausflügen muss ich mir nicht aufgrund meines Weißseins überlegen an welchen Ort ich fahre.

- Wenn ich den Fernseher einschalte, sehe ich Weiße Personen, die Namen und Berufe haben und alle sozialen ökonomischen Positionen einnehmen. Ihre Repräsentation ist vielfältig und nicht stereotypisiert.

- Wenn ich meine Zukunft plane, stellt mein Weißsein keine Barriere dar.

- Auf dem Wohnungsmarkt ist mein Weißsein kein Hindernis.

- Wenn es um Themen wie Fortschritt, Entwicklung oder Moderne geht, habe ich gelernt, dass dies ein Verdienst Weißer Menschen ist.

- Im Alltag fallen nicht ständig Blicke auf mich. Als Weiße genieße ich, wenn ich will, Anonymität.

- Ich habe die Wahl mich mit Rassismus auseinander zu setzen oder auch nicht.

- Wenn ich von der Polizei angehalten werde dann ist mein Weißsein nicht der Grund dafür.

- Wenn ich Make-Up mit der Farbe „naturell“ kaufe, oder einen Buntstift in „Hautfarbe“, kann ich ziemlich sicher sein, dass die Farbe meiner Hautfarbe ähnlich ist.

- Ich werde für kompetent gehalten, ohne dass dies in Bezug zu meiner Herkunft gesehen wird.

Ziele der Thematisierung von Weißsein beim ASA-Programm

Der Diskurs um Weißsein wird in entwicklungspolitischen Diskursen und auch im Globalen Lernen  noch weitestgehend ausgeblendet.

Das ASA-Programm versteht sich als ein dynamisches Lernprogramm zur Ausbildung von gesellschafts- und entwicklungspolitisch interessierten, weltoffenen und kritisch nachfragenden Menschen. Hierbei geht es vor allem auch darum, in Deutschland und Europa ein stärkeres Bewusstsein für soziale Zusammenhänge schaffen. Ohne eine gründliche Reflexion entwicklungspolitischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge im Bezug auf Weißsein wird dieses Ziel kaum erreicht werden.

 

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