People who make the difference

"Erst Land und Leute kennen lernen, statt mit Helfer-Attitüde aufzutreten!"

Fünfzig Jahre ist es her, dass eine Gruppe Studierender in Frankfurt am Main eine Reise in den Sudan unternahmen und damit das ASA-Programm gründeten. Einer der "Ersten" war Reinhard Spilker.

Was war 1960 die Ursprungsidee, die dann zu ASA führte?

Organisatorisch: Bei Gesprächskontakten zu Managern dreier internationaler Baufirmen bezahlte Ferienjobs auf deren Baustellen am Blauen Nil im Sudan zu erhalten. Das war die finanzielle Basis für unseren ersten ASA im Sudan. „Arbeit“ war der sechswöchige Baustellenjob, „Studien“ die 2 Wochen Gastaufenthalt an der Uni Khartoum und eine vierwöchige Rundreise durchs Land. Eine rührige deutsche Botschaft engagierte sich fürs Zustandekommen der „Studien“-Programmpunkte. Daraus entstanden die ersten deutsch-sudanesischen Studentenkontakte. Eine sudanesische Studentengruppe machte 1961 einen ASA in der Bundesrepublik, den wir nach obigem Programm-Schema organisierten.

Inhaltlich: „Internationales“ war thematischer Schwerpunkt der Frankfurter Hochschulgruppe unseres Studentenverbandes „ISSF“ (die deutsche Studentenvereinigung für die Vereinten Nationen, die auch bereits eine „Kleine UNO“ an der Uni Frankfurt organisiert hatte), Abenteuer, Neugier, überparteiliches politisches Engagement, Öffnung zur Dritten Welt, Kritik neokolonialistischer Tendenzen, Inspiration durch Civil Rights Bewegung in USA, aber auch eine gewisse Distanzierung zum US Peace Corps, nämlich im Sinne unseres Mottos: „Erst Land und Leute kennenlernen, statt mit Helfer-Attitude aufzutreten!“.

Wo haben Sie Ihren ersten ASA-Aufenthalt verbracht?

Im Sudan.

Wissen Sie, was aus „Ihrem“ Projekt geworden ist? Haben Sie noch Kontakte?

Ja. Damals wurde ich beauftragt, während eines DAAD-Forschungsaufenthaltes 1964 in Tanganjika/Tansania das erste Länderprogramm des 1963 gegründeten DED vor Ort vorzubereiten. Im übrigen: mein sudanesischer Freund Francis Mading Deng Majok, den ich 1960 an der Uni Khartoum kennenlernte, war Sprecher der 12köpfigen Gegenbesuchsgruppe 1961 und wurde ein „Freund fürs ganze Leben“ – er war später Botschafter in Skandinavien und USA, vorübergehend Außenminister seines Landes, dann Jura-Prof. u.a. in Yale. Seit einigen Jahren ist Francis Deng Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Bürgergriegsflüchtlings- bzw. Genozidfragen.

Könnten Sie in einem Satz sagen, was Sie damals aus ihrem Aufenthalt mitgenommen haben für Ihr weiteres Leben?

Lebenslange Freundschaften, Management-Erfahrung, interkulturelle Verständigungsfähigkeit, Weltbürgerbewußtsein, anhaltendes Interesse an Entwicklungs-Themen und für „andere“ Kulturen.

Was verbindet Sie heute noch mit ASA?

Kann mir ASA aus meinem Lebensweg nicht wegdenken. Und es hört ja nicht auf:

Ich würde gern mit einigen interessierten Früh-ASAtInnen eine Art Ältestenrat gründen, aber bitte, ohne in die Rolle eines „Alten Herren“ zu verfallen.

Außerdem bin ich seit 2 Jahren bemüht, mit der China-Arbeitsstelle der TU-Berlin ein China-Projekt zu entwickeln, für das ich mir auch eine Konfiguration mit einem China-ASA vorstellen kann – ja, ganz ähnlich wie vor 50 Jahren. Themenschwerpunkte: Sustainable Urban Development, Energy and Environment, Cultural Heritage Management.

InWEnt gGmbH