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Brasilien | Plätze: 2 | Nr.: C301505306 | Seminartermine
Hinweise: Für Berufstätige besonders geeignet
Berufsfelder: Journalismus, Medien, Kommunikation, Softwareentwickler_in, IT
Studienrichtung: Journalismus, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Informatik
Vorgeschlagen von: Meike Bischoff, ASA-Teilnehmerin 2011
Sprache(n): Portugiesisch,Spanisch
Dauer: 6 Monate
Von den großen wirtschaftlichen und politischen Interessen finanziell unabhängige Medien sind weder in Deutschland noch in Brasilien eine Selbstverständlichkeit. Der unabhängige Sender Radio Dreyeckland (RDL) ging 1977 in Freiburg im Breisgau aus der Anti-AKW-Bewegung hervor. Dabei stand er Modell für die Entwicklung der Freien Radios in Deutschland. Seine Mitarbeiter_innen treten seither für einen offenen Zugang zu Medien, gegen die Monopolisierung der Medienlandschaft und für einen kritischen „gegenöffentlichen“ Blick quer zum Mainstream ein.
In Brasilien sind die Auswirkungen von wirtschaftlichen Monopolisierungstendenzen auch in der Medienlandschaft präsent. Die „Agência Informativa Pulsar Brasil“, eine nicht-kommerzielle Nachrichtenagentur, setzt sich deswegen für eine demokratischere Medienlandschaft in Brasilien ein. Die Organisation will den freien Bürgerfunk als demokratisches Instrument stärken, da vor allem der elektronische Medienmarkt in Brasilien stark von einigen wenigen Unternehmen dominiert wird. Die Agentur mit Sitz in Rio de Janeiro produziert täglich Nachrichten und Radiobeiträge für Bürgerradios in Brasilien.
In dem von Radio Dreyeckland und Pulsar Brasil gemeinsam durchgeführten Projekt sollen die ASA-Teilnehmenden daran mitwirken, eine Reihe von Radioreportagen auf Deutsch, Spanisch und Portugiesisch zu produzieren. Dabei behandeln sie Themen, die Brasilien und Lateinamerika ebenso wie Deutschland und Europa betreffen und beleuchten diese aus unterschiedlichen Perspektiven. Sämtliche Produktionen werden mit freier Software hergestellt, wobei die Teilnehmenden Unterstützung von Fachleuten auf diesem Gebiet erhalten. Freie Software spielt eine wichtige Rolle für das Projekt. Die Teilnehmenden werden sich deswegen auch mit der Frage beschäftigen, in welcher Form ein Netzwerk Freier Radios die Nutzung dieser Software stärken kann. Die Radioreportagen werden in Freien Radios sowohl in Deutschland als auch in Brasilien und im Internet veröffentlicht.
In der Nordphase werden die Teilnehmenden zunächst die Gelegenheit erhalten, sich als Team einzuspielen. Im Zuge dessen werden sie sich zunächst mit ihrem Arbeitsumfeld in Freiburg vertraut machen. Sie lernen die dort ansässigen entwicklungspolitischen Gruppen, die Universität, sowie die Arbeitsweise von Radio Dreyeckland kennen. In Rücksprache mit dem Team können die Teilnehmenden nach dieser Startphase sowohl kleinere Aufnahmen als auch ein bis zwei größere Reportagen realisieren. Geplant ist auch ein Besuch des benachbarten Europaparlaments in Straßburg, der die Möglichkeit beinhalten soll, dort O-Töne für eine Reportage zu sammeln.
In der Südphase integrieren sich die Teilnehmenden in die Arbeit von Pulsar Brasil. Im Team erstellen sie Radioreportagen, unterstützen die redaktionelle Arbeit der Agentur und halten den Kontakt zu Radio Dreyeckland weiter aufrecht. In Rio de Janeiro entstehende Reportagen können gegebenenfalls in anderen Freien Radios in Südamerika und Deutschland gesendet werden. Sowohl Radio Dreyeckland als auch Pulsar sind diesbezüglich in weitreichenden Netzwerken aktiv.
Die ASA-Teilnehmenden sollen Erfahrung mit der Arbeit in alternativen Medien mitbringen und sich für die Anliegen sozialer Bewegungen interessieren. Grundlegende Computerkenntnisse und ein Interesse am technischen Part des Radiomachens sowie praktische Vorerfahrungen damit sind vonnöten. Ein Interesse für Freie Software und deren Grundsätze sind von großem Vorteil. Für die Arbeit innerhalb der Redaktion ist es wichtig, dass die Teilnehmenden soziale Kompetenz und Freude an demokratischer Entscheidungsfindung sowie den Willen mitbringen, sich in die Arbeitsabläufe der Radios zu integrieren. Fließendes Portugiesisch und/oder Spanisch sind für die journalistische Arbeit im Projektteam unerlässlich.
Voraussetzung für eine Teilnahme ist die Bereitschaft, sich aktiv an beiden Projektphasen zu beteiligen! Dazu zählen selbstverständlich auch Vorbereitung und Durchführung der Nordphase gemeinsam mit den brasilianischen Teilnehmer_innen in Deutschland und dem deutschen Projektpartner Radio Dreyeckland in Freiburg. Der Zeitaufwand für die Nordphase entspricht dem eines Vollzeitpraktikums.
Bewerbungen aus Freiburg und naher Umgebung sind besonders erwünscht. Bewerber_innen aus anderen Regionen müssen für den Zeitraum der Nordphase einen Umzug nach Freiburg einplanen.
Die Nordphase findet von April bis Juni 2012 statt. Die Ausreise zur Südphase erfolgt in Absprache mit der Süd-Partnerorganisation zwischen Juli und Dezember desselben Jahres.